21/05/2022

Handbuch der Schulpsychologie

3. Auflage 2021 Rezension von Annette Greiner

Das Handbuch der Schulpsychologie, das in erster Auflage bereits 2007 erschienen ist, bietet in seiner Neuauflage auch weiterhin einen hervorragenden Überblick über die Grundlagen schulpsychologischer Arbeit. Die Gliederung in drei Teile (Grundlagen, Fokus Schüler:innen, Fokus Lehrkräfte und System Schule) bietet einen schnellen Überblick über die gesamte Breite des Arbeitsfeldes Schulpsychologie.

Damit wird das Werk der Zielsetzung eines Handbuches vollauf gerecht. Das Stichwortverzeichnis ermöglicht es, dieses Handbuch als fachlich sehr fundiertes Nachschlagewerk zu nutzen. Student:innen können im Rahmen der beruflichen Orientierung auch im Rahmen von Praktika in den Schulpsychologischen Diensten und Beratungsstellen sehr von diesem Buch profitieren. Aber es hilft auch bereits aktiven Schulpsycholog:innen über den eigenen Tellerrand (z.B. die Schulpsychologie im eigenen Bundesland oder der Region) hinauszublicken. Es steckt voller Anregungen für die fachliche und institutionelle Weiterentwicklung von Schulpsychologie im eigenen Bundesland und darüber hinaus. Hier ist besonders interessant das Kapitel „Aufgaben und Organisationsformen der Schulpsychologie in Deutschland“, das in der neuen Auflage auch die aktuell sehr positiven Entwicklungen durch Ausbau der schulpsychologischen Versorgung sichtbar macht und Schulpsychologie als zukunftsträchtigen und unverzichtbaren Baustein gelungener Bildungs- und Entwicklungsprozesse für Schüler:innen ausweist.

Erfreulich ist, dass es gelungen ist, in der neuen Auflage weitere Fachexperten wie z.B. Heinrich Ricking zum Thema Schulabsentismus zu gewinnen – ein Themenfeld, dass auch und gerade einhergehend mit der Corona-Pandemie in der schulpsychologischen Praxis noch an Bedeutung gewonnen hat. Das Kapitel „Psychische Störungen in der Schule“, das in der zweiten Auflage fast ausschließlich auf das Thema Schulverweigerung fokussierte, ist in der neuen Auflage mit veränderter Überschrift „Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen“ deutlich breiter angelegt und stellt wichtige Bezüge her zwischen klinischen Diagnosen und daraus resultierenden pädagogischen Aufgaben in der inklusiven Schule und schulpsychologischen Aufgaben an den Schnittstellen Schule, Jugendhilfe und therapeutischen Institutionen.

Vermisst habe ich in der Neuauflage die qualitativ hochwertigen Beiträge von verdienten Persönlichkeiten in der Schulpsychologie wie Wolfgang Ehinger (Supervision/Coaching) und Helmut Heyse (Lehrergesundheit). Während zum Thema Supervision/Coaching ein weniger ausführlicher Alternativbeitrag erstellt wurde, ist das Thema Lehrergesundheit nur noch über den sehr spezifischen Beitrag von Fischer & Schaarschmidt abgebildet und nicht mehr in seiner ganzen Breite und Komplexität als Aufgabenbereich der Schulpsychologie dargestellt. Und dies – obwohl das Thema vor dem Hintergrund des hohen Veränderungsdrucks und hohen Belastungen durch die Corona-Pandemie sowie durch den allseits umgreifenden Personalmangel in Schulen hoch aktuell ist und Schulpsycholog:innen diesem Thema mit seinen vielfältigen Auswirkungen auf Schüler:innen, alle schulischen Mitarbeitenden und das System Schule in der Praxis häufig begegnen.

Erfreulich ist, dass auch das hochaktuelle Thema des Lehrens- und Lernens mit digitalen Medien in einem eigenen Kapitel neu aufgegriffen wurde. Damit beweisen die Herausgeber einmal mehr, dass sie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Schulpsychologie gut im Blick haben und mit der Zeit gehen!